Heute probiere ich zwei Whiskys. Den Anfang macht der Bladnoch 11, abgefüllt in 2020.
Bladnoch 11 Jahre
Heute stelle ich euch einen Whisky vor, den ich in der jüngeren Vergangenheit häufiger getrunken, aber nie verkostet habe. Also verkostet in dem Sinne, dass ich für diesen Whisky keine Tasting Notes geschrieben habe. Dennoch hatte ich diese Abfüllung bereits häufiger im Glas. Ich habe ihn nämlich als Kalibrierungsdram für den Single Malt Adventskalender verwendet. Nicht von Beginn an, aber schätzungsweise ab der zweiten Woche.
Normalerweise verwendet man als Kalibrierungsdram einen Whisky, den man gut kennt. Das ist für mich mit dem Bladnoch 11 zu dem Zeitpunkt, als ich damit angefangen habe zwar nicht der Fall gewesen, aber die Rahmendaten lassen ihn gut für diesen Zweck erscheinen. Darüber hinaus habe ich mich vorher gar nicht kalibriert. Ich wusste, weil ich ihn schon vor einigen Jahren mal probiert habe, dass es sich hier um einen guten Whisky handelt, der auf der einen Seite nicht langweilig ist, auf der anderen aber auch nicht so eckig und kantig, dass er das, was folgt, nicht überdeckt. Auf jeden Fall hat er es verdient, dass ich nun endlich Tasting Notes verfasse.
Die Abfüllung ist 11 Jahre in Bourbonfässern gereift, wurde mit 46,7% alc. vol. abgefüllt und wurde weder kühlfiltriert noch gefärbt. Die Farbe ist Bernstein. Die Abfüllung gehört zu der neuen Abfüllserie, die nach der Übernahme durch David Prior in 2015 und der Modernisierung seit 2017 auf den Markt gekommen ist. Als 11-jähriger wurde er bis 2022 abgefüllt, danach wurde er durch eine 13-jährige Abfüllung mit ansonsten den gleichen Rahmendaten ersetzt.
Geruch - 87
Zu Beginn fällt sofort die Getreidigkeit auf. Kennt ihr das, wenn jemand eine volltönende Stimme mit einem Hauch von Quakigkeit hat? Übertragt diesen Eindruck auf Getreide, dann landet ihr bei der Art von Getreide, die ich hier erkenne. Wenn man so will, Getreide mit Pfiff. Darüber hinaus ist er sehr süß und trägt den Eindruck einer helleren, aber nicht einer ganz hellen, Honigsorte mit sich. Für Bourbonfassabfüllungen typisch erkenne ich hier außerdem eine vanillige Note mit leichtem Holzeinschlag und etwas nussig bzw. kernig. Die Nase ist insgesamt sehr rund und gefällig, der Alkohol kitzelt nur leicht in der Nase.
Geschmack - 84
Süße, Vanille und Holz gepaart mit einem getreidigen und leicht buttrigen Eindruck. Der Alkohol ist recht mild. Im Laufe der Zeit verlagert sich der Geschmack ein bisschen in Richtung holzige Bitterkeit und sogar leicht metallische oder mineralische Noten sind zu erkennen. Der zweite Schluck beginnt direkt mit dem herben Noten, die dann auch konsistent verbleiben. Die Süße ist noch da, Vanille und Getreide verschwinden im Hintergrund. Das Mundgefühl nehme ich als cremig und leicht ölig wahr. Leider kann der Gaumen - wie so oft bei Whisky - nicht ganz das halten, was die Nase verspricht.
Abgang - 84
Der Abgang ist lang. Ich spüre die Wärme die Speiseröhre hinunter rinnen bin in den Magen. Auf der Zunge bleibt vornehmlich der bittere, leicht trockene Eindruck zurück. Die Süße ist ebenfalls noch eine ganze Zeit zu bemerken. Am Ende wird es ganz leicht britzelig auf der Zunge und ein Hauch von Getreide oder auch ein Eindruck von Brot kehrt zurück.
Gesamteindruck - 85
Die Nase ist stark, was sich dann im Mund leider nicht so ganz bestätigt. War meine Wahl, diesen Whisky zum Kalibrieren zu verwenden gut? Ich denke ja. Beim Kalibrieren geht es ja nicht unbedingt darum, einen Whiskyhochgenuss zu entdecken, sondern eher darum, sich selbst bzw. den Mundraum auf alkoholische Stärke und den Geschmack von Whisky vorzubereiten. Das erfüllt der Bladnoch 11 allemal und zwar ziemlich gut. Natürlich wird vor dem nächsten Whisky mit etwas Wasser neutralisiert. Ich habe damals 60€ für die Flasche bezahlt und ich sage, dass der Whisky das auf jeden Fall wert ist. Da es diese spezielle Abfüllung nicht mehr so häufig gibt, ist sie leicht im Preis gestiegen (ca. 70€), was auch noch im Bereich okay ist. Wenn diese Flasche leer ist, habe ich noch eine Zweite davon und das finde ich auch gut.