Bowmore 1964 Black - Final Edition - Whiskybase #8341

Bowmore 1964 Black - Final Edition - Whiskybase #8341

Der zweite Whisky des heutigen Tages und ein absolutes Highlight: Bowmore 1964 Black - Final Edition

Bowmore 1964 Black - Final Edition

Der heutige Tag ist ein besonderer Tag. Aber ich mache nicht ein ganz besonderes Sample auf, weil heute ein besonderer Tag ist, sondern weil ich dieses ganz besondere Sample öffne, wird dieser Tag zu einem besonderen Tag. An einem ganz normalen Donnerstag, Ende Januar 2026.

In der Whiskywelt wird insbesondere von der Industrie selbst stark romantisiert. Es wird nicht einfach nur eine teure Spirituose verkauft, sondern Luxus und ein Lebensgefühl. Auch wenn ich gegen diese Romantik weitestgehend immun bin (glaube ich zumindest...) und die Industrie als das betrachte, was sie größtenteils auch ist, nämlich sehr gewinnorientierte Großunternehmen, bin ich doch nicht ganz unberührt, wenn es um Legenden geht. Der Black Bowmore ist eine dieser Legenden. Wenn es beim Whisky so etwas wie einen heiligen Gral gibt, dann ist der Black Bowmore genau das. Dabei spielt es vermutlich keine so große Rolle, welche der drei Editionen man verkostet.

Ich habe dieses Sample im Rahmen einer Aktion im Forum Fassstark.de zu einem völlig unvernünftigen Preis erworben. Insbesondere, wenn man den Preis ins Verhältnis dazu setzt, was eine ganze Flasche von diesem (Götter?)Stoff 1995 - also vor gut 30 Jahren - gekostet hat. Ich habe dennoch aus zwei Gründen zugeschlagen: zum einen, weil ich es mir leisten kann, zum anderen weil ungewiss ist, ob so eine Gelegenheit jemals wieder kommt. Im Rahmen der Gegebenheiten war der Preis sehr gut. Danke dafür noch mal an Werner und Thomas, die das ermöglicht haben.

Der Black Bowmore wurde 1964 destilliert und diese Final Edition mit 31 Jahren 1995 mit 49% alc. vol. abgefüllt. Der Whisky reifte angesichts der ursprünglich 1812 verfügbaren Flaschen in vermutlich 4-5 Oloroso Sherry Butts. Über Kühlfiltrierung ist nichts bekannt, aber wahrscheinlich ist der Whisky auch gefärbt, zumindest wird es auf einigen Händlerseiten so angegeben.

Nun, mal sehen, was die Legende so hergibt. Die Farbe ist mit Espresso, der auf der von mir verwendeten Farbskala von Eye for Spirits (leider gibt es diese Website nicht mehr) die dunkelste, schon mal vielversprechend. Wenn andererseits wirklich mit Zuckerkulör gefärbt wurde, ist das auch nicht zu überbewerten.

Geruch - 93

Zuallererst kommt dunkles Holz und Möbelpolitur in den Sinn. Ebenso sind Röstaromen und eine leichte Kaffeenote präsent. Dann wird es süß und ich bilde mir tatsächlich ein, die berühmten Bowmore Veilchen entdecken zu können, wenn auch eher zart und nicht erschlagend. Es folgt ein Eindruck leicht verbrannten Gummis auf Asphalt, eine Note, die ich als stumpf und trocken bezeichnen möchte. Dann öffnet es sich ein bisschen und ein Hauch von Raucharomen steigt auf. Der Alkohol ist nicht unangenehm, kribbelt aber ganz leicht in der Nase. Das Gummi kehrt zurück und erinnert an weißes Radiergummi. Nun wird es auch etwas schokoladig, aber auf der eher dunklen Seite mit mindestens 85% Kakaoanteil. Nach kurzer Standzeit habe ich plötzlich Zigarrenrauch im Glas und recht altes und trockenes Leder. Manche finden auch Pflaumen in der Nase, aber ich finde, dass nur ein sehr zurückhaltender Fruchteindruck vorhanden ist und der mit dunkler Schokolade ausreichend beschrieben ist. Nun kehrt wieder das Holz mit Möbelpolitur zurück. Da sich der Kreis hier schließt, gehe ich den nächsten Schritt und genehmige mir ein winziges Schlückchen.

Geschmack - 93

Der in der Nase noch eher schwach vorhandene Eindruck von Rauch ist auf der Zunge recht schnell präsent; ebenso der Zigarrentabak. Die Röstaromen sind ebenfalls vorhanden und der leichte Eindruck von Kaffee ist - zum Glück - nicht aufdringlich, aber doch deutlich erkennbar. Das Mundgefühl ist eher auf der wässrigen Seite, was angesichts der langen Legs im Glas etwas überrascht. Was sich in der Nase nur so zart andeutete, dass ich dachte, ich bilde mir das nur ein, bestätigt sich aber auf der Zunge: ein wirklich nur sehr zarter Hauch von geräuchertem Schinken. Insgesamt denke ich, ist der Eindruck am Gaumen sehr konsistent zu dem, was ich bereits für die Nase beschrieben habe. Im Mund wirkt er insgesamt etwas frischer und fruchtiger, als in der Nase, aber es ist nur eine Nuance.

Abgang - 92

Die oben beschriebenen Eindrücke bleiben eine Weile im Mund erhalten. Trotzdem ist für mich der Abgang eher medium als lang. Die verschiedenen Aromen verschwinden eines nach dem anderen, bis im wesentlichen ein trockenes, aber nicht zu bitteres, dunkles Holz auf der Zunge zurückbleibt.

Gesamteindruck - 93

War es der beste Whisky, den ich je probiert habe? Ich tendiere zu nein. Auch wenn es ganz sicher einer der interessantesten Whiskys war, den ich probiert habe. Vielleicht hätte ich den Whisky noch mehr genießen können, hätte ich in einem alten Ohrenledersessel gesessen und hätte die Notes mit der Hand geschrieben, anstatt auf dem Bürostuhl vor dem Computer, die Notes direkt eintippend. War es mir den Preis wert? Vom reinen Geschmacksempfinden würde ich sagen, nein. Berücksichtigt man die Tatsache, dass ich hier den Gral der Whiskywelt probiert habe und nun sagen kann, dass ich den probiert habe, vielleicht schon. Ich konnte mir diesen Luxus leisten und bereue nicht, daran teilgenommen zu haben. Wenn ich jedoch bedenke, dass ich mir schon die eine oder andere Flasche gekauft habe, die mir fast so gut geschmeckt hat, wie dieses Sample, jedoch in der Anschaffung weniger gekostet hat, wird es eine einmalige Ausnahme bleiben.

Um es mit Sam Gamdschies Worten zu sagen: "Ein wahrer Augenöffner, keine Frage!"