Heute verkoste ich weitere zwei Abfüllungen. Den Anfang macht ein zum Klassiker gewordener Blend aus Campeltown: der Campeltown Loch.
Campbeltown Loch
Einleitung
Der Campbeltown Loch ist ein Blended Malt Scotch Whisky aus Campbeltown, abgefüllt von Springbank Distillers Ltd. mit 46,0 % Vol. und ohne Altersangabe. Die hier verkostete Version stammt aus dem Jahr 2021 und wurde im Dezember 2021 abgefüllt. Im Glas zeigt er sich in der Farbe Mais. Neuere Abfüllungen des Campeltown Loch sind deutlich dunkler. Laut rückseitigem Label vereint er die fünf „distinctive single malts“ der Region – gemeint sind Hazelburn, Springbank und Longrow aus der Springbank-Destillerie sowie Kilkerran aus Glengyle und Glen Scotia. Die Bezeichnung „distinct“ bezieht sich dabei eher auf die Markennamen als auf klar voneinander abgegrenzte Stilrichtungen, da insbesondere Glengyle und Glen Scotia stilistisch unterschiedlichste Ausprägungen unter jeweils einem Label führen. Angaben zur Fassreifung sind nicht ausgewiesen.
Geruch – 86 Punkte
In der Nase zeigt sich der Campbeltown Loch eher leicht und zugänglich. Malz und Getreide bilden den Auftakt, begleitet von einem leichten Rauch, der eher unterstützend wirkt als prägend. Ein Fruchtkompott steht im Raum, ohne sich eindeutig festlegen zu lassen, wobei Ananas am ehesten hervorsticht. Eine dezente Säure erinnert weniger an Zitrusfrüchte als vielmehr an Apfel, möglicherweise wie reifer Apfel, der in Zitronensaft geschwenkt wurde. Eine leichte Süße begleitet den Gesamteindruck. Die Intensität bewegt sich im mittleren Bereich mit leichter Tendenz zur Zurückhaltung.
Geschmack – 84 Punkte
Am Gaumen beginnt der Whisky leicht alkoholisch, bevor sich eine malzige Süße entfaltet. Die Textur wirkt eher wässrig, mit einer nur leichten cremigen Anmutung. Trockene Holzaromen treten deutlich hervor und verleihen Struktur. Fruchtnoten bleiben dezent im Hintergrund. Der Rauch ist klar wahrnehmbar, jedoch nicht aufdringlich und insgesamt eher schwach ausgeprägt. Aromatisch zeigt sich der Whisky stabil, was angesichts der bereits länger geöffneten Flasche nachvollziehbar ist. Die Intensität wirkt im Vergleich zur Nase deutlich kräftiger.
Abgang – 83 Punkte
Der Abgang ist kurz. Getreide und Rauch bleiben am deutlichsten zurück, begleitet von einer leichten hölzernen Trockenheit, die im Nachhall weniger herb wirkt als zuvor am Gaumen. Insgesamt präsentiert sich das Finish trocken und geradlinig.
Gesamteindruck – 84 Punkte
Mit 84 Punkten bewegt sich der Campbeltown Loch im trinkbaren Bereich. Für mich ist er ein besserer Easy-Drinking-Dram, der weniger durch Komplexität oder Tiefe auffällt, sondern durch ein durchaus raffiniertes Zusammenspiel von Rauch und Holz. Genau dieses Wechselspiel macht ihn angenehm eigenständig und sorgt dafür, dass er unkompliziert, aber nicht beliebig wirkt.