Clynelish 14 (2010/2025)

Clynelish 14 (2010/2025)

Heute steht der nächste Vergleich zweier Abfüllungen aus unterschiedlichen Jahrzehnten an: Clynelish, 14 Jahre aus 2010 und 2025.

Clynelish 14

Einleitung

Verkostet wurden zwei Proben desselben Whiskys: Clynelish 14 Jahre alter Scotch Single Malt Whisky, Originalabfüllung, 46 % Vol., Highlands / Schottland. Die Abfüllung ist der 14-jährige Standard, wie er seit 2005 produziert wird; weitere Fassinformationen oder Besonderheiten wurden nicht genannt. Ziel war der Vergleich zwischen früherer und aktueller Ausgabe, ohne vorab zu wissen, welche Probe welcher Zeitachse entspricht.

Charlotte – Geruch – 87 Punkte

Charlotte zeigt sich in der Farbe Ocker. In der Nase entsteht zunächst ein warmer Eindruck mit leichter Orangennote. Eine leichte Honigsüße blitzt auf, dazu kommen leichte Getreidenoten, alles immer unterlegt von dieser orangenen Citrusspur. Der Alkohol kitzelt in der Nase, bleibt insgesamt aber eher dezent. Die Mischung aus Honig und Getreide erinnert an holländische Stroop-Waffeln. Mit Zeit entwickelt sich die Orange zu einem nicht näher definierbaren, eher tropischen Fruchtkompott, bis hin zu dem Eindruck einer frisch geöffneten Tüte Haribo Tropifrutti. Kurz gewinnt eine leichte Bananennote die Oberhand, bevor sie wieder im Kompott verschwindet.

Charlotte – Geschmack – 84 Punkte

Am Gaumen beginnt Charlotte ebenfalls mit Süße und Orange. Der Alkohol wirkt auf der Zunge etwas bissiger als in der Nase. Dazu kommen Getreide und eine dezente, herbe Eichenholznote. Der Tropifrutti-Eindruck ist auch hier vorhanden, aber deutlich zurückhaltender als in der Nase. Die herbe Holznote bleibt die ganze Zeit präsent, während der alkoholische Eindruck zwar etwas in den Hintergrund rückt, aber nie ganz verschwindet. Das Mundgefühl ist eher wässrig, mit leichter Tendenz in Richtung cremig.

Charlotte – Abgang – 82 Punkte

Der Abgang ist lang. Zurück bleiben am deutlichsten die herbe Holznote und ein leichtes alkoholisches Prickeln. Orange ist mit etwas Mühe noch zu finden, steht aber sehr dezent und klar im Hintergrund.

Charlotte – Gesamteindruck – 84 Punkte

Charlotte beginnt in der Nase durchaus interessant, warm, fruchtig und mit einem hübschen Spiel aus Orange, Honig, Getreide und tropischem Kompott. Am Gaumen und im Abgang zerfällt dieser Eindruck jedoch deutlich. Der Alkohol wirkt weniger gut eingebunden, das Mundgefühl eher wässrig, und die herbe Holznote übernimmt mehr Raum, als der Gesamteindruck tragen kann. So bleibt Charlotte charmant im Auftakt, aber weniger vollständig über die ganze Strecke.

Emily – Geruch – 87 Punkte

Emily zeigt sich in der Farbe Senf. In der Nase stehen Frische und Süße am Anfang, ebenfalls mit Orangennote, dazu ein Schuss Bienenwachs. Erst danach kommt Wärme auf. Eine sehr dezente salzige, mineralische Note liegt darunter, während Alkohol in der Nase kaum zu bemerken ist. Dazu zeigt sich eine leicht trockene Holznote. Das Aroma bleibt stabil in diesem Rahmen.

Emily – Geschmack – 87 Punkte

Am Gaumen bringt Emily Süße, leichte Zuckerwatte, etwas Wachs und etwas Honig. Dazu kommt ein dezent maritimer, mineralischer Eindruck, nur sehr wenig salzig, aber prickelig und frisch auf der Zunge. Alkohol ist kaum zu spüren. Eine dezente Holznote ist vorhanden, wird aber nicht bitter. Das Mundgefühl zeigt leichte Cremigkeit mit Tendenz zu wässrig.

Emily – Abgang – 87 Punkte

Der Abgang ist lang und wärmend. Die Orangennote bleibt einen Moment erhalten, bevor es trockener und maritimer wird. Zum Schluss klingt das Holz dezent herb aus.

Emily – Gesamteindruck – 87 Punkte

Emily wirkt über Nase, Gaumen und Abgang stabiler, dichter und körpervoller. Die Süße, Orange, Wachsigkeit, dezente maritime Mineralik und zurückhaltende Holznote bleiben besser miteinander verbunden. Der Alkohol ist kaum spürbar und fügt sich deutlich ruhiger ein. Insgesamt erscheint Emily vollständiger, balancierter und in sich geschlossener.

Direktvergleich

Im direkten Vergleich lässt sich die Klarheit nicht eindeutig festlegen, aber Emily wirkt stabiler über Nase, Gaumen und Abgang. Emily ist dichter und hat den volleren Körper. Charlotte startet in der Nase interessant, fällt am Gaumen und im Abgang aber deutlich auseinander. Bei Charlotte wirkt der Alkohol weniger gut eingebunden. Zur Fassdominanz bleibt das Urteil vorsichtig, gefühlt hatte Emily die besseren Fässer. Balance und Vollständigkeit sprechen klar für Emily.

Präferenzurteil

Für mich ist Emily klar besser.

Zeitachsen-Hypothese

Die Zeitachsen-Hypothese lautet: Charlotte ist die aktuelle Abfüllung, Emily ist die frühere Abfüllung. Diese Zuordnung stützt sich nicht auf die Präferenz allein, sondern auf die stabilere Struktur, die bessere Alkoholintegration, den volleren Körper und die höhere Kohärenz von Emily über Nase, Gaumen und Abgang hinweg. Charlotte wirkt dagegen fragmentierter, alkoholisch weniger sauber eingebunden und im Verlauf stärker von herber Holznote geprägt.

Probe Zuordnung
Charlotte aktuelle Abfüllung
Emily frühere Abfüllung