GlenDronach Parliament

GlenDronach Parliament

Heute trinke ich den letzten Dram von dem GlenDronach Parliament - Ein Bottlekill

GlenDronach Parliament 21 Jahre

Einleitung

Der GlenDronach Parliament, ein Scotch Single Malt Whisky aus den schottischen Highlands, ist ein Vermächtnis jener Ära, die Billy Walker nach 2009 mit neuem Glanz versah. Von der Destillerie GlenDronach als Originalabfüllung auf den Weg gebracht, reifte dieser edle Tropfen mindestens 21 Jahre lang in Oloroso- und Pedro-Ximénez-Sherryfässern, ehe er mit 48 % Alkoholgehalt in die Flasche fand. Im Glas zeigt er sich in einem tiefen Pariser Rot, das allein schon das Auge erfreut. Doch hinter dieser Abfüllung verbirgt sich mehr als nur ein gereifter Whisky: Da GlenDronach zwischen 1996 und 2002 seine Tore geschlossen hatte, dürften die in dieser 2017er Abfüllung vermählten Whiskys an der Schwelle stehen zwischen exakt 21 Jahren und einem womöglich höheren Alter – ein Geheimnis, das wohl nur die Destillerie selbst zu lüften vermag. Als Krönung der damaligen Standard-Range, die den 12-jährigen Original, den 15-jährigen Revival, den 18-jährigen Allardice und eben den 21-jährigen Parliament umfasste, war er das stolze Flaggschiff. Verkostet wird hier der letzte Rest einer Flasche, die anlässlich des Fassstarken Online-Stammtisches im Oktober 2025 geöffnet wurde – ein würdiger Bottlekill.

Geruch – 93 Punkte

Schon beim ersten Einatmen entfaltet sich eine Wärme, die den Geist in einen alten Ledersessel vor ein prasselndes Kaminfeuer versetzt. Orange und dunkle Schokolade schreiten einträchtig voran, begleitet von Rosinen und Dörrpflaumen, die eine tiefe, fruchtbetonte Süße ins Spiel bringen. Darüber legt sich ein feiner Schleier von Holzpolitur, während ein Hauch von altem Leder der Szenerie eine noble Patina verleiht. Alte Eiche bildet das Fundament, auf dem sich all diese Eindrücke zu einem würzigen, harmonischen Gesamtaroma vereinen – ein Duftbild, das zum Verweilen einlädt und mit jedem Atemzug eine neue Facette preisgibt.

Geschmack – 94 Punkte

Am Gaumen empfängt einen zunächst ein würziges Aroma, in dem sich überraschend und doch stimmig eine Nuance von Liebstöckl offenbart. Dunkle Schokolade und Eichenholz geben dem Auftakt Tiefe, während eine leicht pfeffrige Alkoholnote aufblitzt, die jedoch sogleich von einem ganzen Korb dunkler Früchte und Dörrobst sanft ummantelt wird. Kein seidiger Gaumenschmeichler im klassischen Sinne, und dennoch so meisterhaft abgestimmt, dass man sich dem perfekten Whisky-Genuss zum Greifen nah fühlt. Das Mundgefühl überrascht mit einer eher wässrigen Textur, die nur sacht ins Cremige tendiert – doch die schiere Aromendichte lässt dies zur Nebensache werden und trägt den Genuss mit Leichtigkeit.

Abgang – 94 Punkte

Der Abgang ist lang und verabschiedet sich mit einer würzigen Eichennote, die sich mit Schokolade und Holzpolitur auf der Zunge niederlässt und dort beharrlich verweilt. Der Eindruck von Dörrpflaumen schwingt noch lange nach, bevor sich am Ende eine angenehme Trockenheit einstellt, die dem Finale einen würdevollen Schlussakkord verleiht – keineswegs herb, sondern vielmehr wie ein leises, zufriedenes Ausatmen.

Gesamteindruck – 94 Punkte

Ich bin begeistert. Der GlenDronach Parliament hat mich mit dieser Verkostung einmal mehr davon überzeugt, dass er das Flaggschiff der damaligen Standard-Range völlig zu Recht war. In Oloroso- und PX-Fässern zu einer perfekten Kombination gereift, vereint er Tiefe, Würze und Frucht in einer Weise, die kaum Wünsche offenlässt. Dass er 2017 noch für unter 100 € zu haben war – ich zahlte seinerzeit rund 92 € –, während diese Flaschen heute locker über 200 € erzielen, macht die Erinnerung an diesen Schluck umso kostbarer. Und wie gut, dass noch eine Flasche im Keller schlummert. Ein absoluter Hochgenuss.