Springbank 15 (2004/2025)

Springbank 15 (2004/2025)

Heute vergleiche ich zwei besondere Schätze: zwei Springbank 15 Jahre aus den Jahren 2004 und 2025.

Springbank 15 Jahre

Einleitung

Verkostet wurden zwei Proben desselben Whiskys: Springbank 15 Jahre, Scotch Single Malt Whisky aus Campbeltown, original abgefüllt, 15 Jahre alt, Sherry-Reifung, 46 % Vol. Beide Proben stehen für den jeweils in ihrem Jahr erhältlichen Standard der Abfüllung, einmal aus 2004 und einmal aus 2025, ohne dass die zeitliche Zuordnung während der Verkostung bekannt war. Springbank erscheint hier als Destillerie, die trotz Veränderungen in der Whiskywelt, insbesondere bei Art und Qualität der Sherryfässer, ihren eigenständigen Charakter bewahrt. Auch der heutige, modernere Stil gelingt nach meinem Eindruck außerordentlich gut; die älteren Destillate wirken für mich dennoch noch einmal eine halbe Stufe darüber, was bei diesem Niveau eher feine Kritik als grundsätzlicher Abstand ist.

Edmont – Geruch – 89 Punkte

Edmont zeigt sich in der Farbe Safran. In der Nase stehen dunkelfruchtige Noten im Vordergrund, mit Datteln, reifen Pflaumen und getrockneten Pflaumen. Dazu kommen etwas Beize, Zedernholz sowie ein maritimer Eindruck mit Salz und Umami. Die Fruchtigkeit dominiert, trägt trotz ihrer dunklen Ausrichtung aber auch eine gewisse Frische. Ein leicht maritimer und zart rauchiger Eindruck unterlegt das Ganze und gibt dem Geruch mehr Volumen und Körper. Später treten Lakritze oder Süßholz hinzu.

Edmont – Geschmack – 90 Punkte

Am Gaumen steht Süßholz überraschend weit vorne, begleitet von einer deutlicheren Rauchigkeit, als die Nase erwarten ließ. Fruchtigkeit ist vorhanden, bleibt aber eher diffus und schwer zu bestimmen, am ehesten in Richtung reife Pflaume und Datteln. Immer wieder erscheinen Süßholz und Rauch, dazu etwas Zedernholz. Die Textur wirkt eher wässrig, mit einem leichten Touch Cremigkeit. Die geschmacklichen Eindrücke lassen den Alkohol mehr oder weniger vollständig in den Hintergrund treten, auch wenn seine Wirkung objektiv vorhanden ist.

Edmont – Abgang – 90 Punkte

Der Abgang ist lang. Süßholz und Zedernholz bleiben eine Weile auf der Zunge zurück, bevor sie langsam verblassen. Es wird leicht trockener, doch immer wieder blitzt das Süßholz durch und hält den Nachklang zusammen.

Edmont – Gesamteindruck – 90 Punkte

Edmont wirkt insgesamt strukturierter, körperreicher und komplexer als Jules. Die Probe besitzt mehr innere Ordnung und erscheint vollständiger, ohne sich über bloße Intensität zu definieren. Rauch, Süßholz, dunkle Frucht, Zedernholz und maritime Anklänge fügen sich zu einem eher klassischen, etwas tiefer gelegten Springbank-Ausdruck, der nicht makellos cremig oder üppig ist, aber in Struktur, Länge und Integration überzeugt.

Jules – Geruch – 89 Punkte

Jules zeigt sich in der Farbe Hennarot. In der Nase treten wuchtige Fruchtaromen in Richtung Kirsche und Waldbeeren hervor, getragen von einer zarten Rauchnote. Alkohol ist nicht zu spüren. Ein maritimer Eindruck von etwas Salz wird von Eichenholzspänen begleitet. Die Fruchtaromen werden dunkler, ein leicht schokoladiger Eindruck entsteht, und das Bild einer Schwarzwälder Kirschtorte kommt auf. Später weht ein Hauch Espresso durch die Nase.

Jules – Geschmack – 88 Punkte

Am Gaumen zeigt Jules einen leichten Eindruck von Kaffee und Röstaromen, auch hier von etwas Rauch untermalt. Dazu kommen etwas fruchtige Süße, Schokolade und Rosinen. Der Alkohol ist spürbar, aber nicht störend. Der Rauch wirkt zurückhaltender als bei Edmont, dafür treten mehr Röstaromen hervor. Er geht weniger ins Maritime, weil der Einfluss der Fässer diesen Eindruck stärker zu überdecken scheint. Die Textur ist auch hier leicht wässrig, mit einem Touch ins Cremige.

Jules – Abgang – 88 Punkte

Der Abgang ist mittel. Körper und Aromen bleiben stabil auf der Zunge kleben, bevor sie verblassen. Es wird kaum trockener, wodurch der Nachklang ruhig bleibt, aber weniger lang und vollständig wirkt als bei Edmont.

Jules – Gesamteindruck – 88 Punkte

Jules zeigt das klar modernere Profil. Die Aromen wirken etwas intensiver, der Fasseinfluss ist präsenter, und Röstaromen, dunkle Frucht, Schokolade, Rosinen, Kaffee und Espresso prägen das Bild stärker. Der Whisky bleibt gut eingebunden und sehr gelungen, zeigt aber einen Hauch mehr Alkohol und weniger Struktur, Körper und Komplexität als Edmont. Er ist gut bis sehr gut, aber im direkten Vergleich etwas weniger vollständig.

Direktvergleich

Edmont besitzt insgesamt etwas mehr Struktur, Körper und Komplexität, während Jules mit mehr Fasseinfluss und etwas intensiveren Aromen auftritt. Bei beiden ist der Alkohol gut eingebunden, wobei Jules einen Mü mehr Alkohol zeigt. Jules wirkt klar moderner, stärker vom Fass und von Röstaromen geprägt, während Edmont vollständiger, länger und strukturell überzeugender erscheint. Die Unterschiede sind nicht groß, aber im direkten Vergleich ausreichend klar.

Präferenzurteil

Ich bevorzuge Edmont etwas gegenüber Jules. Beide Whiskys bewegen sich auf einem guten bis sehr guten Niveau, doch Edmont wirkt für mich vollständiger, länger und komplexer, während Jules zwar aromatisch intensiver und moderner auftritt, aber etwas stärker vom Fass geprägt ist.

Zeitachsen-Hypothese

Edmont wird als frühere Abfüllung eingeordnet, Jules als aktuelle Abfüllung. Diese Zuordnung stützt sich nicht auf die Farbe, sondern auf das Strukturcluster aus mehr Körper, längerer Wirkung, höherer Komplexität und geringerer Fassdominanz bei Edmont sowie auf das modernere, röstigere und stärker fassgeprägte Profil von Jules.

Probe Zuordnung
Edmont frühere Abfüllung
Jules aktuelle Abfüllung